K-12 und College: alles über Bildung und Ausbildung in Amerika

Jedes Land besitzt ein eigenes Bildungswesen mit speziellen Institutionen und Wahlmöglichkeiten, das den Einwohnern eine möglichst umfassende Allgemeinbildung und ausreichende Wahlfreiheit bei der Berufsvorbereitung bieten soll. Amerika ist hier natürlich keine Ausnahme, doch Bildung in Amerika unterscheidet sich teilweise erheblich von dem, was wir in Deutschland gewohnt sind. In diesem Artikel wollen wir Ihnen die wichtigsten Unterschiede vorstellen und erläutern, falls Sie selbst einmal in die Verlegenheit kommen sollten, in Amerika Kinder großzuziehen oder den Bildungserfolg eines amerikanischen Bewerbers zu bewerten.

Erste Schritte: Kindergarten und Elementary School

Praktischerweise für den Englisch-Lerner ist die erste Bildungsstation im Leben eines Amerikaners gleichnamig mit der eines deutschen Kindes: der „kindergarten“, manchmal auch „preschool“ genannt. Hier finden im Prinzip dieselben pädagogischen Vorgänge statt wie in einem deutschen Kindergarten; es werden erste handwerkliche und analytische Fähigkeiten geschult und soziale Routinen eingeübt. Im Alter von etwa 6 Jahren erfolgt dann der Transfer auf die „elementary school“, welche der deutschen Grundschule entspricht, jedoch in der Regel länger dauert: statt der hierzulande üblichen 4 Jahre dürfen Amerikaner die ersten 6 Jahre in dieser Institution verbringen. Auch hier gleichen sich die Bildungssysteme noch einigermaßen; Lesen, Schreiben und Grundkenntnisse der Arithmetik (im Englischen als „the three Rs“ aufgrund der r-lastigen Aussprache in „reading, writing, arithmetic“ bezeichnet) werden gelehrt und hoffentlich erste akademische Kompetenzen für den Besuch der sekundären und tertiären Bildungsinstitutionen vermittelt.

High School: Junior und Senior

Mit der siebten Klasse beginnen junge Amerikaner, die „high school“ zu besuchen. Ab diesem Punkt unterscheiden sich die Bildungswege zwischen Amerika und Deutschland jedoch erheblich; während man, bis auf einige experimentelle Ausnahmen, in Deutschland generell eine Entscheidung zwischen dem Besuch der Haupt- oder Realschule bzw. des Gymnasiums treffen muss, handelt es sich bei der „high school“ um eine amerikanische Gesamtschule. Allerdings werden dort nicht alle Jugendlichen notwendigerweise auf demselben Niveau unterrichtet; für besonders interessierte und begabte Schüler gibt es sogenannte „advanced placement classes“ oder „AP classes“ für die meisten Unterrichtsfächer. Diese Klassen können beim späteren Besuch einer Hochschule eventuell als Prüfungsleistungen angerechnet werden, was deren Belegung noch attraktiver macht; aber zur Hochschule später mehr.

Die „high school“ in Amerika ist in zwei Teile eingegliedert: „junior high school“ (manchmal auch „middle school“ genannt) und „senior high school“. In der „junior high school“ werden die Klassenstufen 7 bis 8 bzw. 9 unterrichtet und in der „senior high school“ die restlichen Klassenstufen bis zum 12. Schuljahr, wenn der Schüler mit einem „high school diploma“ seine sekundäre Bildungskarriere abschließen kann. Sollte ihm das nicht gelingen, kann er im Nachhinein den sogennanten „GED“-Test (Abkürzung für „general educational development“) abschließen, der ihm ebenfalls eine akademische Kompetenz auf „high school“-Niveau zertifiziert.

Danach ist der Weg frei für den Besuch einer Hochschule, doch auch hier werden schnell große Unterschiede zum deutschen System deutlich.

Tertiäre Bildung: Colleges und Vocational Schools

Viele junge Amerikaner aspirieren nach dem Besuch der „high school“ den Besuch eines „college“. Hiervon gibt es in Amerika eine ganze Reihe, und im Folgenden wollen wir Ihnen eine Auflistung der größten Gruppen nach Status und Prestige geben.

Die Crème de la Crème der höheren Bildung bilden die sogennanten „Ivy League“-Colleges; der Name leitet sich ursprünglich von einer Sportliga ab, an der diese Colleges teilnahmen, doch heute stehen sie vor allem für akademische Exzellenz und gute Networking-Möglichkeiten. Zu diesem elitären Kreis zählen sich die Universitäten von Harvard, Yale, Princeton, Cornell, Columbia, Brown, Dartmouth und die University of Pennsylvania.  Sie alle sind privat geführte Institutionen mit teilweise erheblichen Studiengebühren und einem extrem selektiven Aufnahmeverfahren. Nicht nur Bestnoten, sondern auch außerschulisches Engagement sollten vorhanden sein, wenn man dort studieren möchte.

Eine Stufe weiter unten auf der Prestigeskala stehen die sogenannten „state colleges“: große, staatlich geführte Hochschulen, die eine gewisse Selektivität aufweisen, aber trotzdem vielen Bewerbern offenstehen und eine relativ gute akademische Ausbildung bieten. Wer seine Noten aus der „high school“ etwas aufbessern möchte, um eventuell doch noch auf eines der begehrten Colleges wechseln zu können, oder einfach nur günstig in der Nähe seines Heimatortes in Amerika studieren möchte, kann sich des Weiteren in einem der vielen lokalen „community colleges“ einschreiben, wo viele technische und sozialwissenschaftliche Studiengänge kostengünstig belegt werden können.

Ein amerikanisches Ausbildungssystem ähnlich dem in Deutschland gibt es nicht; wer einen nicht-akademischen Beruf erlernen möchte, dem ist am besten zum Besuch einer „vocational school“ zu raten, wo berufsrelevante Zertifizierungen erlangt werden können und das nötige Theoriewissen für handwerkliche und mechanisch orientierte Berufe erlernt werden kann. Da sehr viele „vocational schools“ privat und ohne strenge Aufsicht geführt werden, besteht hier jedoch auch das größte Missbrauchspotential. Man sollte sich genau informieren, bevor man sich in einer der (natürlich ebenfalls studiengebührenpflichtigen) „vocational schools“ einschreibt.

Welchen Bildungsweg hätten Sie in Amerika am liebsten eingeschlagen? Teilen es uns doch in den Kommentaren mit! Eine ausführlichere Beschreibung des amerikanischen Bildungswesen finden Sie im Übrigen auf Wikipedia, und bei weiterem Interesse an englischer Sprachkompetenz legen wir Ihnen diesen How-To-Artikel aus unserem Blog nahe